Tischtennis von A - Z
Tischtennis - Training
Hermann Hammer über die neue Zählweise
Sätze bis 11 - Versuch einer Analyse
1. Die Zählweisen bis 11 und bis 21 : (Beschreibung)
Die traditionelle Zählweise hat sich als Maßstab für Tischtennis im Verlauf der Ge-schichte über alle Entwicklungen hinweg und in allen Belangen bewährt. Sie hat sich so sehr bewährt, dass sie als modernes (!) Vorbild für die Reformen der Zählweise im Tennis oder Volleyball dienen konnte. Dieser Erfolg beruhte auf ihrer Klarheit und auf wohl durchdachten Grundsätzen: Jeder Spieler hat, auch im Doppel, grundsätzlich gleich viele Aufschläge und Rückschläge. (Bis 21 also je 4 mal 5 und Satzverlänge-rung bei 20 beide). Leider haben das (vielleicht weil es so klar, einfach und gewohnt war) die Entschei-dungsträger im Tischtennis bei allen bisherigen Versuchen nie erkannt und deshalb auch nie berücksichtigt (was eine Schande ist im Vergleich zu den Reformatoren in den anderen Sportarten!). So war es bei dem völlig undurchdachten Versuch, ab 5:5 zu zählen, so ist es wieder bei der jetzt beschlossenen Zählweise bis 11 Punkte mit jeweils 2 Aufschlägen.
Hätte man die Prinzipien erkannt und sich daran gehalten, so müsste bei je 2 Auf-schlägen ein Satz bis 9 gehem und bei 8:8 in die Verlängerung. (bei je 3 Aufschlägen müsste nach der Logik ein Satz bei 13 enden sowie bei 12:12 verlängert werden: also 4 x 2 bzw. 4 x 3 Aufschläge usw.). Dieser grundlegende Fehler wird vor allem im Doppel deutlich. Es ist einigermaßen wahrscheinlich, dass die neue Zählweise sich als Doppel-Vernichtungsprogramm er-weist, mindestens aber seinen
sportlichen Wert mindert. (Unruhe durch die ständigen Wechsel - was links-rechts-Kombinationen noch mehr bevorzugt; vor allem aber kommt es am Satzende nicht mehr zu allen möglichen Aufschlag-/Rückschlag-Kombinationen - mehr dazu unter Punkt 2).Man hätte also eher bei je fünf Aufschlägen bleiben müssen oder man sollte die Sätze jetzt schon ab 8:8 verlängern.´Wenn man aber vermeiden will, dass im Einzel eine andere Zählweise zur Anwendung kommt als im Doppel, dann müsste man auch im hier die Verlängerung bei 8:8 ein-führen. Das würde den erklärten Absichten der ITTF-Verantwortlichen sogar entspre-chen; die Satzverlängerung im TT ist ja nichts anderes als ein kleiner Tiebreak oder eine Art Elfmeterschießen! Auch daran lässt sich erkennen, wie modern und zu-kunftsweisend die alte Zählweise schon immer war).
2. Folgen der Zählweise bis 11 und Konsequenzen für das Training
Hier soll es darum gehen, die Folgen abzuschätzen, die in der Zählweise bis 11 Punk-ten liegen. Sie sind offenbar weitreichender als es sie ITTF-Verantwortlichen voraussehen. Wie hätten sie sonst die kommende Änderung der Aufschlagregel für einschneidender hal-ten können, wo man deshalb eine
Übergangszeit von einem Jahr für erforderlich gehalten hat?
Es ist aber umgekehrt: Das Verbot der verdeckten Trickaufschläge ist sicher von gro-ßer Bedeutung. Die Folgen der Zählweise bis 11 aber werden viel tiefer gehen. Das war schon die Auffassung des Nationalspielers Jörg Roßkopf in seinem Beitrag zur Märzausgabe 2001 des Deutschen Tischtennis-Sport (DTS).
Immerhin handelt es sich bei der Änderung der Zählweise um eine Änderung des Maßstabs, mit dem die sportlichen Leistung gemessen wird: zu erwarten ist deshalb auch eine Änderung der Sportart. Die Frage ist nur in welcher Weise und wie tiefgreifend.Diese Fehleinschätzung dürfte auch der Grund dafür sein, dass weder ausreichende Untersuchungen noch die dafür nötigen Vorüberlegungen erfolgt sind. Offenkundig hat nicht ein einziger Versuch unter
genau der jetzt beschlossenen Regel der Zählweise stattgefunden!.
Der Praxistest und seine Auswertung stehen also erst bevor :
Spieler und Trainer stehen jetzt vor der Aufgabe, die Gegebenheit der neuen Regel für den größtmöglichen Erfolg zu nutzen, also entsprechend zu trainieren.
Was hat sich geändert?
Die Spieldauer eines Satzes ist um 50% kürzer.
Der zum Sieg erforderliche Vorsprung von 2 Punkten bedeutete bei Sätzen bis 21 einen Vorsprung von 5%, bei Sätzen bis 11 aber von 10 % (bezogen auf 40 bzw. 20 Punkte). Ein sehr gutes und gefährliches Service wird noch wichtiger. Der Gegner hat bei jeweils 2 Aufschlägen viel weniger Möglichkeiten, sich darauf einzustellen. Es kommt also darauf an, ein noch größeres Repertoiregefährlicher Aufschläge gezielt zu trainieren, so dass man bei den vier Aufschlägen, die man in zwei Aufschlagserien hat z.B. jeweils 3 verschiedene Aufschläge machen kann. Aufschlag und Aufschlagspiel (der sogenannte 3. Ball-Angriff) erhalten voraussichtlich noch größeres Gewicht und müssen mit äußerster Konzentration angewendet werden Sehr gute Rückschläger werden ebenfalls Vorteile haben, aber wohl nur wenn sie auf einen eigenen guten
Aufschlag aufBauen können; so kann man aktiver sein und mehr auf Risiko spielen (was nicht nur Härte sondern auch Variation und Raffinement bedeutet).
Im Doppel wird der Rückschlag noch mehr an Bedeutung gewinnen als schon jetzt (bekanntlich ist im Doppel ein guter Rückschlag noch viel wichtiger als im Einzel). Vor allem muss man künftig wohl immer Aufschlag wählen, da man dann im Ent-scheidungssatz bei engen Spielen am Schluss die bessere Aufstellung erzwingen kann. (bei Stand von 8:8, 7:9 kommt voraussichtlich der beste Aufschlag / Rück-schlagspieler doppelt zum Zug). Der Einfluss leichter Fehler, kleiner Unkonzentriertheiten und unglücklicher Bälle wird deutlich größer. Sie wiegen doppelt so schwer als bisher. (in Prozent: - ein einzelner Punkt bedeutet jetzt 10 % der zum Sieg nötigen Zähler statt bisher 5%). Sehr viel Training und eine sehr hohe Sicherheit aller Elemente des Spiels, auch der riskanten, sind erforderlich. Deshalb auch kommt die Kurzzählweise dem professionellen Spieler voraussichtlich deutlich mehr entgegen als der breiten Masse der Durchschnittsspieler (Amateure). In deren Spiel dürften die jetzt schwerer wiegenden Zufälligkeiten, die Spielunterbrechungen durch Störbälle und die eigenen Unsicherheiten zu einigem Frust führen (Turnier- und Wettkampfaus-richter mögen bitte vermehrt auf gut gebaute und gut abgesicherte Spielflächen sorgen!) . Der Zufall spielt also eine größerer Rolle als bisher, der sportliche Wert sinkt anteilig. Es war bei der Zählweise bis 21 allgemein anerkannt, dass man im Tischtennis unter anderem deshalb über relativ viele Punkte gespielt hat, weil das zu einer sportlich gerechteren Wertung beiträgt. Auch diese Zusammenhänge scheinen die Erneuerer nicht erkannt zu haben. Man müsste jetzt sorgfältig beobachten, welchen Wirkungen das vor allem im Nachwuchsbereich hat, wo Können und Spielsicherheit naturgemäß noch weniger entwickelt sind. Bei Begegnungen zwischen leistungsstarken und mittleren Spielern werden die Leistungsunterschiede klarer herauskommen werden als bisher. Der größere Unsicherheitsfaktor erhöht die Chancen nur bei relativ schwachen Spielern untereinander. Bei Spitzenspielern wird es dagegen nur zu den Änderungen in der Leitungsrelation kommen, die mit der Spielstrategie zusammenhängen. Die Chancen mancher Spieltypen werden generell sinken: Insgesamt dürften die defensiveren Spielweisen (Abwehr, Block-Konterspiel, Topspinspiel etwas weiter vom Tisch gegen aggressives beidseitiges Angriffs- und Contraangriffsspiel) noch mehr Probleme bekommen als schon durch dem 40 mm Ball. Als Trainer ist man wohl gut beraten, vermehrt die Taktik des Angriffs mit dem 3. bzw. vierten Ball zu forcieren. (Das dürfte übrigens für die chinesische Schule sprechen und deren dominierend Rolle weiter stärken). Beiden Folgen, die größere Leistungsdifferenzierung und die Verarmung an unter-schiedlichen Spielsystemen dürfte den von der ITTF verkündeten Absichten direkt zuwiderlaufen. Es kommt verstärkt darauf an, eine hohe Stressfestigkeit zu erreichen. Man muß nicht nur die größere Bedeutung verkraften. Auch Mätzchen, Provokationen, bewusst herbeigeführte kleine Streitereien oder Schauspieleinlagen können sich jetzt viel stärker auswirken und dürften weniger kompensiert werden können als bisher.(Das ist nicht so selten, sogar bei Betreu-ern von Jugendlichen, wie mancher glaubt). Man muss die eigenen Spieler darauf vorbereiten und anstreben, dass man sich durch den Ärger über die eigenen Un-zulänglichkeiten oder über den Gegner nicht selbst aus dem Spiel bringt. (Um kei-ne Missverständnisse aufkommen zu lassen: die Trainer sollen die Spieler defensiv vorbereiten; die Schiedsrichter sollten vermehrt auf der Hut sein, was aber nicht einfach sein dürfte). Das spielerische Element wird wohl eher zurückgedrängt: Verspieltheit und Expe-rimentierfreude wird man
sich im Wettkampf kaum mehr erlauben können.
Die konditionellen Anforderungen vor allem an die Ausdauer und Schnellkraftausdauer dürften geringer werden. (Natürlich nicht hinsichtlich Schnelligkeit und Schnellkraft, die für eine rasante und explosive Spielweiseerforderlich sind). Senioren mit ihrer Spielerfahrung und dicke Bäuche mit ihrem Gleichmut werden es wohl etwas besser haben. (Ob das aber gewollt war?) Es ist zu überlegen, ob die Dauer der Trainingsübungen nicht verkürzt werden soll. Es war bisher schon eine kluge Empfehlung, dass man das Training anders gestaltet, je nachdem ob man sich auf 2 oder 3 Gewinnsätze bis 21 vorbereitet (Gadal). Insgesamt wurde von Anfang an die Dauer der Trainingsübungen an die Wettkampfanforderungen angepasst (C. Johansson 1975). Es wird in diesem Fall sicher notwendig sein, 2 bis 3 kürzere Übungen hintereinander zu schalten, die aufeinander aufbauen und miteinander verwandt sind. Insgesamt begegnet die Kurzzählweise bis 11 der ungeheueren Beschleunigung des Spieltempos und der Rotation in den letzten 15 Jahren mit einer Beschleuni-gung der Zählweise. In der Spiel- und Trainingspraxis wird man deshalb den bis-herigen Trend verstärkt fortsetzen müssen! (Offenkundig hatten die Verantwortlichenaber eher gegenteilige Absichten : gute Nacht Zuschauer: sie werden bald gar nichts mehr mitkriegen). In jeder Trainingsgruppe sollte man verstärkt darauf achten, dass Spieler mit un-gewohnten Spielweisen und Materialspieler vorhanden sind, denn man hat jetzt kaum mehr die Zeit, sich im Verlauf eines Satzes (Spiels) auf Ungewohntes einzustellen. Für weniger komplette Spieler könnte also eine ärgerliche Zeit anbrechen, wenn vermehrt Materialien eingesetzt werden, übrigens auch im Nachwuchsbereich. - Das könnte immerhin manchen dazu anregen, die gewohnten Pfade zu verlassen und der Verarmung der Spielweisen durch 11 Punkte und 40 mm Ball entgegenwirken - in dieser Hinsicht dürfte das aber nur auf unteren Ebenen zu-treffen. Im Spitzenbereich kommt es dagegen wahrscheinlich zu einer Verarmung an unterschiedlichen Spielweisen. Auch das könnte zu einer Abnahme des öffentli-chen Interesses am Tischtennissport führen, wie bereits angedeutet und wie durch die DTS-Analyse der WM hinsichtlich des 40 mm Balls bestätigt.
Die Möglichkeiten und die Dauer der Beratung im Spiel nehmen durch die kurzen Satzpausen ab. Die Spieler müssen mit alternativen taktischen Ausrichtungen ins Spiel gehen und sie selbständig anwenden lernen. Leider sinken damit auch die Möglichkeiten im Erziehungs- (Trainings-) Prozess junger Spieler während des Wettkampfs. Das müsste aber gut zu kompensieren sein.
3. Die Entwicklung des Tischtennissports, die aktuelle Situation und das Reformpaket der ITTF
Tischtennis ist im Unterschied zu den Behauptungen aus Kreisen der ITTF keineswegs so unbeweglich und unmodern. Es hat bisher im Tischtennis e-her mehr modernisierende Änderungen gegeben als in anderen Sportarten.
Beispiele:
Neues Konzept für die Spielflächen (Dortmund 1989), übrigens eine hervorragend überlegte und vorbereitete Änderung, so wie man sich das jetzt auch gewünscht hätte - aber nicht jeder ist so gut wie H.W. Gäb; Einführung des Centrecourt-Prinzips bei großen Veranstaltungen. Neues Konzept für die Austragung der Weltmeisterschaften (endlich, aber noch längst nicht ausreichen); Änderungen der Mannschaftsspielsyste-me, international und national; Zahlreiche neue Wettbewerbe; Modernisierung der Kleidungsvorschriften, vor allem hinsichtlich der Werbung (wo man geteilter Meinung sein kann); Sicher sind manche Wünsche offen: echte Centrecourts gibt es kaum, mit nur einem Tisch, mit der Konzentration auf ein einziges Spiel, eng umgeben von ziemlich kleinen und nahebei liegenden Zuschauerreihen; Echte internationale Einzelturnierserien wie sie jetzt in Japan beginnen (ähnlich dem Tennis) sind Mangelware; eine weniger starke Dominanz Chinas wäre dem allgemeinen Publikumsinteresse außerhalb Chinas nicht abträglich. Mit Sicherheit ist die Medienpräsenz des Tischtennis, vor allem im Fernsehen, mindestens relativ zurückgegangen. Im Vergleich zu früher wird insgesamt viel mehr Sport im TV gezeigt. Tischtennis hat an dieser Entwicklung nicht teilgenommen. Die Gründe dafür liegen nicht nur, ja nicht einmal überwiegend am gebotenen Sport selbst. Deshalb muss man zusätzlich an ganz anderen Punkten ansetzen, bestimmt nicht nur an der Frage, ob es 21 oder 11 Punkte, ob es 38 mm oder 40 mm sein dürfen! Der Inhalt des Tischtennissports hat sich in den letzten 20 bis 25 Jahren gewaltig geändert, für Spieler wie für Zuschauer. Eine entsprechende Zustandsanalyse fehlt aber, die allen sinnvollen Maßnahmen vorausgehen müsste. Die Qualität des Spiels in Schnelligkeit, Rotation und Schlaghärte wurde gewaltig gesteigert. Ursache dafür ist die moderne Materialentwicklung , besonders verstärkt durch das Frischkleben, und die damit verbundene Technikentwicklung des beidseitigen Topspinspiels in Richtung auf das chinesische Tempospiel. Die gemessene maximale Ballrotation ist von 3000 (M. Sklorz 1975), über 6000 (80er Jahre) auf jetzt 9000 Umdrehungen pro Minute gestiegen. Das Spiel auf internationalem Niveau ist unvorstellbar schnell, weit oberhalb aller Tempowerte in irgendeiner anderen Sportart. Die Entwicklung viel schnellerer Bälle, Tische, Schlägerhölzer kam dazu. (Es gab übrigens im zulässigen Rahmen der alten Regel bereits wesentlich langsamere Bälle als den jetzigen 40 mm Ball)
.Die unglaubliche Ballrotation und deren Auswirkung ist für keinen Zuschauer auch nur im entferntesten zu erkennen. Das Bedeutung gefährlicher Aufschläge hat sich auch auf unteren Ebenen sehr ge-steigert Die Attraktivität der offenen Ballwechsel hat darunter gelitten.
Die Geschwindigkeit der Ballwechsel ist so hoch, dass sie selbst von Fachleuten kaum mehr registriert werden können. Spielanalysen per Video sind ohne Zeitlupe und Zeitlupenwiederholungen nicht mehr zuverlässig machbar. (Selbst hochrangige Trainer, ehemalige Spitzenspieler täuschen sich nicht selten , wenn sie nicht unvoreingenommene Studien mit den nötigen Hilfsmitteln durchführen!)
Es ist deshalb für den Zuschauer auch kaum mehr möglich, die körperliche Aktivität der beiden Spieler zu erleben, die hinter einer sportlichen Leistung im Tischtennis stehen. (Wer erinnert sich nicht an die Faszination des Publikums, wenn ein Superathlet wie Dragutin Surbek sich mit einem Tempo- und Ballkünstler wie Ti-bor Klampar gemessen hat) Das höhere Leistungsniveau hat sich weit vom mittleren Niveau entfernt, so dass ein Bruch entstanden ist (durch die Spiel- und Material- Entwicklung ebenso wie durch die Professionalisierung des Trainings). Konnte vor 30 Jahren noch ein guter Provinzspieler ab und zu einen durchschnittlichen oder sogar einen besseren Spieler der Europarangliste überraschen, so hat er heute bereits bei Gegnern der 2. BL Mitte nicht mehr den Hauch einer Chance. Dem traditionellen Interesse an unse-rem Sport war das eher nicht förderlich, aber es war im Wesentlichen auch un-vermeidlich.
Genügt das Reformpaket der ITTF der Analyse?
An der Ballrotation wurde durch den 40 mm Ball nur wenig geändert. Die Folgen sind eher das Gegenteil der erhofften Auswirkungen. Das Spiel scheint nicht att-raktiver sondern ärmer zu werden. Die Abwehrspieler haben nach übereinstimmender Analyse aller Beteiligten, der Spieler wie der Trainer, so große Nachteile, dass diese Spielweise international (und national) nicht mehr konkurrenzfähig ist. Das war zu erwarten und im Gegensatz zu den Behauptungen des Herrn Weltprä-sidenten haben die Abwehrspieler schon eine Saison vor der Einführung begonnnen, sich anzupassen (z.B. Abkehr von der langen Noppe, Übergang zur kurzen Noppe usw.). Die Folgen sind bekannt: gerade wegen der etwas verringerten Rotation sind die Chancen der Schnittabwehr ins Bodenlose gesunken und werden ohne neue Materialentwicklung dort wohl bleiben. Ähnliche Folgen werden für das klassischen Penholderspiel mit Noppen außen be-fürchtet.(Beides bestätigt durch die WM-Analyse im DTS).Positiv steht dem gegenüber nur eine Erleichterung des Spiel im Anfänger- und unteren Leistungsbereich. Die Zählweise bis 11 begegnet, wie schon erwähnt, der Tempo- und Rotations-beschleunigung durch eine Beschleunigung der Zählweise, die das Spiel für den Zuschauer noch weniger übersichtlich und nachvollziehbar macht. Die Spiele wer-den noch schneller am Zuschauer vorbeihuschen. Wie soll es da noch zu einem Aufbau der Emotionen kommen, die so wichtig für die Öffentlichkeitswirkung sind? (Es ist wie in der Musik, einem erfüllten, langsamen und reichen Satz folgt am besten ein rasantes Finale. Das könnte man auch für Tischtennis festhalten. Nicht von ungefähr gilt den besten chinesischen Trainern Tischtennis als eine Kunst. Auch für den Tischtennissport wäre ein Denken im Kontrapunkt produktiv: erst aus Gegensätzen entsteht wahre Spannung und Emotion). So manches spricht dafür, dass man auf dem jetzt eingeschlagenen Weg das genaue Gegenteil dessen erreicht, was man propagiert
4. Beschlussfassung, Strategie und Argumentation der ITTF
Über die unvorbereitete, hektische und misslungene Art der Beschlussfassung und Einführung des 40 mm Balls sind sich alle einig. Mit der Zählweise bis 11 Punkten ist es kaum besser. (Immerhin beginnt man nicht mitten in der internationalen Saison). Die Vorbereitung der TT-Öffentlichkeit war so gut wie nicht vorhanden. In keiner Weise wurde (bis heute!) erläutert, wieso gerade diese Form der Änderung, warum bis 11, wieso andere Vorschläge nicht in Frage kamen. Die Aktiven sind ratlos im wahrsten Sinne des Wortes geblieben. Sie wurden weder beraten noch hat man ihnen in einer Erprobungsphase die Chance gegeben, Rfahrungen zu sammeln und Lösungen zu finden. Die Begründung, die man gab, ist eine Art Wunschzettel für die Zukunft des TT, ohne dass ein Zusammenhang mit der Regeländerung sichtbar gemacht wurde! Sie ist widersprüchlich in ihrer Aussage, TT solle einerseits dynamischer (also schneller!) und andererseits angenehmer für die Zuschauer werden. Sie ist un-wahr in der Behauptung, man hätte sorgfältig ein Reformpaket aus drei einzelnen Entscheidungen zu Ball, Zählweise und Aufschlag geschnürt. Wäre es so gewesen, hätte es keinen Anlass für die unzusammenhängende Beschlussfassung und die allseits kritisierte Hektik der Einführung gegeben. Nein, das Paket wurde im Nachhinein erfunden. Nur der Beschluss über die neue Aufschlagregel genügt internati-onalen sportlichen Ansprüchen
5. Beschlussfassung und Argumentation des DTTB
Die Vertreter der Vereine und Landesverbände bei der Bundeshauptversammlung haben ihren Beschluss einstimmig gefasst, obwohl alle wussten, dass es überall, bei vielen Funktionären und bei den Aktiven großes Unverständnis und erhebliche Verärgerung gab. Man wollte zusammenstehen in einer Lage, wo keiner den inter-nationalen Beschluss rückgängig machen konnte oder gar boykottieren durfte. Gut wäre aber ein weiterer Beschluss mit der Aussage gewesen, dass der DTTB künf-tig strengere Anforderungen an internationale Beschlüsse und ihre Einführung stellen wird. Leider stimmt die Aussage nicht, dass alles allen wohl bekannt, dass alles gut vorbereitet und im DTS veröffentlicht war. Der im DTS erschienene Beitrag von Jörg Roßkopf beschäftigte sich nur am Rande mit der Zählweise. Er stellte fest, dass es damit keine Eile habe, dass sie wohl überlegt und nicht vor 2003/2004 eingeführt werden solle. Auch wurde die neue Zählweise in der gleichen Nummer des DTS nicht vorgestellt! Die 11 Fragen und Antworten beten nur eine offenbar von der ITTF vorgegebene Sprachregelung herunter. Jedenfalls findet man auf der Homepage des französi-schen Verbandes eine in Form und Inhalt ganz ähnliche´Veröffentlichung. Viele Beiträge in Verbandszeitschriften, Zeitungen, Leserzuschriften aus dem breiten Publikum haben besser, sachgerechter - oft sogar in witziger Form argumentiert.
6. Folgerungen für den DTTB
Der eigentliche Praxistest beginnt erst jetzt wirklich: Die Erfahrungen sollten des-halb unvoreingenommen und kritisch ermittelt und ebenso ausgewertet werden, statt sich auf die Erfüllung der ITTF-Heilsversprechungen zu verlassen. Unvorein-genommen sicher im Positiven ebenso wie im weniger Gelungenen. Jedermann sollte das Vertrauen gewinnen können, dass Änderungen möglich sind, wenn die Erfahrungen entsprechendes nahe legen; dass dann etwa die jetzt be-schlossene Zahl der Gewinnsätze revidiert wird. Das würde sogar Wortlaut und Sinn der neuen Regel treffen. Man sollte schon jetzt vergleichende Versuche über 4 bzw.5 Gewinnsätze anstre-ben. Der DTTB sollte grundsätzlich bereit sein, der ITTF Anträge auf Änderung oder Annullierung der Beschlüsse vorzulegen, wenn sie sich nicht bewähren oder die Hoffnungen/Versprechungen nicht erfüllen.
Eine Änderung sollte bald den Aufschlagwechsel ab 8:8 betreffen (bei jedem Punkt).
Regeländerungen und neues Sportgerät dürfen künftig immer erst zur übernächs-ten Saison in Kraft treten, müssen also mit dem Vorlauf eines Jahres beschlossen werden - (neues Sportgerät muss von diesem Zeitpunkt an jedermann zur Verfü-gung stehen!). Das würde sehr zu einer sorgfältigeren Vorbereitung der Beschlüsse führen und gehört in anderen Sportarten schon lange zu den eisernen Grundsätzen.
Einen entsprechenden Beschlussantrag sollte der DTTB (und die ETTU) bei der nächsten Vollversammlung der ITTF einbringen und nach Möglichkeit durchsetzen.
Die Landesverbände sollten den DTTB bzw. seine Vertreter in der ITTF per Be-schluss derBundeshauptversammlung zu einem solchen Vorgehen verpflichten, hilfsweiße auch dazu, allen Änderungen, bei denen die Ein-Jahresregel nicht ein-gehalten wird, die Zustimmung zu verweigern.
Schlussbemerkung:Der Beschluss zur Zählweise steht und da Regeln überall gelten, müssen wir sie um-setzen, wenn wir den
Tischtennissport nicht weiter beschädigen wollen.
Es muss sich jetzt muss zeigen, ob die Ziele erreichbar sind, die unseren Sport auf al-len Gebieten und auf allen Ebenen attraktiver und erfolgreicher machen sollen: mehr Medienpräsenz, mehr Beachtung in der Öffentlichkeit, mehr Nachwuchs, mehr Aktive, mehr Begeisterung und Spaß. Wir sollten deshalb mit der Bereitschaft an die Sache herangehen, den Erfolg zu su-chen und finden, der sich in der neuen Zählweise hoffentlich verbirgt. Warum sollten wir nicht das Glück haben, das man eben braucht, wenn übereilte Entscheidungen getroffen worden sind. Sollten sich allerdings Lücken, Fehler oder Fehlentwicklungen zeigen, dann ist ebenso die Bereitschaft gefordert, diese einzugestehen, die Ursachen klar zu erkennen und dann Abhilfe zu schaffen.
Wer ist Hermann Hammer ?
Hermann Hammer ist A-Lizenztrainer des DTTB/DSB seit 1978. Seither ist er mit kurzer Unterbrechung Verbandstrainer im Berliner Tisch-Tennis Verband. Weiterhin ist er seit 1971 Vereinstrainer und war in den Vereinen TSV Höfingen (TTV Württemberg-Hohenzollern), TSV GutsMuths Berlin, ASV Berlin und TTC Düppel Berlin tätig. Beim letzteren war er unter anderem Vereinstrainer von S. Wimalasuriya,
M. Pawlowski und M. Lietzau. Er ist seit dem Gründungsjahr Mitglied im Verband Deutscher Tischtennistrainer (VDTT). Seit 1980 ist er auch als Verbandsfunktionär im Berliner Tisch-Tennis Verband tätig. Er war Tätig als Mitglied im Jugendausschuss, in der Trainerkommission, als Staffelleiter, als Schiedsrichter, als Lehrwart und seit 12 Jahren sitzt er als Sportwart im Präsidium des Verbandes.
Links zum Thema
Know-How Seite des ITTZ
Hier gibt es Antworten auf verschiedene Taktik- und Trainingsfragen.
Verband Deutscher Tischtennistrainer
Beim Verband Deutscher Tischtennistrainer bekommen Sie wertvolle Informationen.
Zum Beispiel wie Sie an die neuesten Materialien rund um das Thema Tischtennistraining kommen. Diese Seite ist absolut spitze!
Theorieseite von Tibhar
Auf dieser Seite werden wissenschaftliche Aspekte des Tischtennissportes diskutiert.
So gibt es zum Beispiel Artikel über den Effekt des Frischklebens oder die Effektivität
bestimmter Trainingsmethoden.
Trainingsseite von Tischtennis-Pur
Auf dieser Seite gibt es Trainingstipps und sogar eine komplette Trainingseinheit für
den Anfängerbereich.
Trainingstipps von about.com (engl.)
In der Tischtennisrubrik von about.com finden Sie Links zu englischsprachigen
Tischtennis-Seiten, die sich mit dem Thema Coaching beschäftigen. Diese wurden
von meinem Kollegen Sean O´Neill zusammengestellt
